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Schloss Habsburg
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Auschnitt aus der Acta Murensia, wichtige Quelle zur Geschichte der frühen Habsburger.

Die Geschichte von Schloss Habsburg

 
   
Teil I: Erbauung        Teil II: Die frühen Habsburger        Teil III: Aufstieg
   
Teil II: Die frühen Habsburger

Übersichtsseite Schloss Habsburg

   

Herkunft der Habsburger

Der Ursprung des Geschlechtes liegt wohl im Elsass und lässt sich kaum mehr mit Sicherheit rekonstruieren. Vielleicht waren seine ersten Vertreter freie Bauern oder niedere Adlige, die nach und nach zu Wohlstand gelangten und auf der sozialen Leiter höher kletterten.
    
  Eine zweite Theorie besagt, der Stammvater der Habsburger sei Guntram der Reiche gewesen, geboren um ca. 910, ein elsässischer Grosser, der sich einem Aufstand gegen den deutschen Kaiser Otto I. angeschlossen hatte, deshalb 952 wegen Hochverrats verurteilt und mit dem Verlust bedeutender Güter im Elsass und Breisgau bestraft worden war. In einer Zeit, aus der sehr wenig Schriftliches überliefert ist, gelang es ihm damit "aktenkundig" zu werden.
    
  Wenn dieser "Guntramnus dives" wirklich ein leiblicher Vorfahre der Habsburger war, so wäre dies ein mögliches Bindeglied zum frühelsässischen Herzogsgeschlecht der Etichonen und über diese sogar zurück bis zu den Karolingern. Die Geschichtsschreibung der späteren europäischen Habsburgermonarchien hat diese Variante natürlich bevorzugt und nach Kräften unterstützt. Besonders diensteifrige Schreiber fügten der Ahnenreihe auch gleich noch den Römergott Jupiter, den trojanischen Helden Äneas und weitere bedeutende Figuren der Antike hinzu. Julius Cäsar und Karl der Grosse waren sowieso vertreten, was im Falle Karls ja sogar der Wahrheit entsprechen könnte.
    
Altenburg als Vorgängerbau der Habsburg Guntrams Sohn Lanzelin nannte sich Graf von Altenburg, wahrscheinlich nach der kleinen Burg, welche in den noch gut erhaltenen Mauern eines spätrömischen Flusskastells an der Aare, unmittelbar oberhalb von Brugg errichtet worden war. Wenn dies zutrifft, so besass er wohl bereits Güter im Aargau und wohnte zumindest zeitweise in diesem Vorgängerbau der Habsburg.
    
 
Altenburg, ehemaliges römisches Flusskastell, mittelalterliche Burg und heutige Jugendherberge Altenburg (heute Jugendherberge).

Gut sichtbar ist der Einbezug des massiven Mauerwerks des  früheren Kastells. Es handelt sich dabei um die höchste erhaltene römische Mauer der Schweiz.

Die Gegend am Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat war auch nach dem Abzug der Römer ständig relativ dicht besiedelt. Windisch mit seiner Kirche auf dem Areal des ehemaligen Legionslagers Vindonissa war im frühen Mittelalter sogar der Sitz eines Bischofs.

    
Ottmarsheim Von Lanzelins Söhnen Rudolf, Lanzelin (der Jüngere) und Radbot scheint sich der erstere hauptsächlich um die elsässischen Besitzungen gekümmert zu haben. Erwähnt wird die Stiftung des Klosters Ottmarsheim und dessen Ausstattung mit Gütern beidseits des Rheins um ca. 1030 - 1040.
    
Frühe aargauische Besitzungen Radbot hielt sich dagegen wohl mehr im südlichen Teil des familieneigenen Streubesitzes auf. Dessen zweites Schwergewicht lag in der schon erwähnten Gegend zwischen Aare und Reuss. Die Familie nannte es wegen der besonders dichten Ansammlung von direktem Grundbesitz, Zins- und Gerichtsbarkeiten aller Art ihr "Eigen", eine Bezeichnung, die sich im Landschaftsnamen "Eigenamt" für die Gegend südlich von Brugg und das Birrfeld bis heute erhalten hat.
    
 

Das Eigenamt. Nicht der einzige und nicht der älteste, am Anfang aber wohl der wichtigste Besitz der Habsburger im Aargau.

 
Alle Dörfer und Burgen im Eigenamt heute. Brugg wurde allerdings bei der Erlangung des Stadtrechts (1284) aus dem "Eigen" ausgeschieden.
    
  Etwas weiter reussaufwärts gehörte ein ziemlich geschlossener Herrschaftskomplex rund um die spätere Stadt Bremgarten ebenfalls zum Einflussbereich der Familie. Noch Lanzelin erweiterte dieses Gebiet gewaltsam weiter nach Süden.
    
Stiftung des Klosters Muri Vielleicht als Sühne für diese allgemein als unrechtmässig angesehene Tat, stiftete die Gemahlin Radbots, Ita von Lothringen, um 1027 auf usurpiertem Boden das Benediktinerkloster Muri. Der Konvent wurde reich ausgestattet, die weitere Förderung war gewiss und Einsiedeln schickte die ersten Mönche. Muri galt fortan als Hauskloster der Familie.
    
 

Ausschnitt aus einer Ansicht des Klosters Muri um 1615 von C.Winterlin.

 
Kloster Muri um 1615. Mit ursprünglicher, dreischiffiger romanischer Basilika, von welcher die Krypta sowie die Mauern von Chor und Querschiff heute noch erhalten sind. 1064 von Bischof Rumold von Konstanz geweiht.
    
 

Kloster Muri heute, Ansicht von Norden. Bei klarer Sicht scheinen die Alpen im Hintergrund zum Greifen nahe.

 
Das habsburgische Hauskloster Muri heute. Die barocke Klosterkirche steht an der Stelle der 1694 abgerissenen romanischen Basilika. 1798 wurde das Kloster im Sog der Revolutionswirren aufgehoben. Letzte habsburgische Grablege 1989: Das Herz von Kaiserin Zita wird neben demjenigen von Kaiser Karl I. in der Habsburgergruft von Muri beigesetzt. Die Körper befinden sich in Wien (Kapuzinergruft) und Funchal (Nossa Senhora do Monte). Karl und Zita waren die letzten gekrönten Habsburger.
    
  Tatkräftig unterstützt wurde Ita bei der Klostergründung nicht nur von ihrem Gemahl sondern auch vom damals mächtigsten Gönner der Familie, dem historisch gut belegten Bischof Werner von Strassburg (im Amt 1001 - 1028), der vermutlich ihr Bruder war. Werner war ein persönlicher Freund von König Heinrich II. (1002 - 1024, Kaiser ab 1013). Er hatte massgeblichen Anteil am Erfolg bei der schwierigen Königswahl von 1002 gehabt und hielt sich in der Folge als einflussreicher Berater viel in der Umgebung des Reichsoberhauptes auf.
    
 
Bischof Werner dürfte auch eine bedeutende Rolle in den damaligen burgundischen Erbfolgestreitigkeiten gespielt haben. Die Mutter Heinrich II. war eine Schwester des kinderlosen Königs Rudolf III. von Burgund und der Kaiser nahm dies zum Anlass, sich noch zu Lebzeiten des Onkels als dessen Erbe einsetzen zu lassen. Er besetzte die burgundische Grenzstadt Basel und erreichte 1016 die Anerkennung seines Anspruchs und sogar eine Art Mitregierung in Burgund.
Kaiser Heinrich II. Dom zu Bamberg, idealisierte Statue, entstanden um ca. 1235.

Kaiser Heinrich II.

    
  Doch der sehr selbständige burgundische Adel leistete Widerstand. Es kam zu mehreren Kriegszügen, sowohl des Kaisers (1018), wie auch der alemannischen Grenzadligen, zu denen auch Radbot gezählt werden muss. Die unscharfe Grenze zwischen Burgund und dem zum deutschen Reich gehörenden Alemannien verlief ja nur wenig westlich des Aargaus (entsprechend ungefähr der Ostgrenze des heutigen Kantons Bern). 1020 war Bischof Werner und mit einiger Wahrscheinlichkeit auch sein vermuteter Schwager Radbot an einem Burgunderzug mit Brandschatzen und Köpfeeinschlagen beteiligt. Angesichts solcher Verhältnisse war man sicher gut beraten das eigene Gebiet gegen ähnliche Unternehmungen der Gegner zu schützen.
    
Burgenbau Um 1020 errichtete Radbot, wohl zur Sicherung und Festigung des Familienbesitzes im "Eigen", die Habsburg. Dabei dürfte er auch die spezielle Grenzlandsituation mit berücksichtigt haben. Vielleicht verschaffte gerade das ihm die besondere Unterstützung des Bischofs Werner von Strassburg, der beim Zutreffen dieser Vermutung als eine Art Mitbegründer und indirekter Vertreter des Reiches beim Bau der "Habichtsburg" angesehen werden könnte. In einer Urkunde aus dem 12. Jahrhundert, eventuell einer Abschrift des verlorenen Stiftungsbriefes des Klosters Muri, wird er sogar als eigentlicher Gründer der Habsburg, "castri quod dicitur habesbur fundator", bezeichnet. 
    
  Zusammen mit den Burgen Altenburg, Brunegg und Wildegg, den befestigten Aareübergängen von Brugg und Freudenau, den etwas weiter vorgelagerten Burgen Schenkenberg, Iberg und Besserstein, wurden dann nach und nach die habsburgischen Kernbesitzungen im Aargau weiter abgesichert.
    
Ausklang der Gründergeneration Bischof Werner überlebte die Gründung der Habsburg und die Stiftung des Klosters Muri nicht lange. Er nahm noch an der glanzvollen Krönung des neuen Kaisers Konrad II. (deutscher König 1024 - 1039) an Ostern 1027 in Rom teil und erhielt bald darauf den ehrenvollen Auftrag an der Spitze einer glänzenden Gesandtschaft in Byzanz um eine Braut für des Kaisers Sohn Heinrich (den spätere Kaiser Heinrich III.) zu werben. Nach langer und beschwerlicher Reise in Konstantinopel angekommen, rüstete er sich noch für eine Wallfahrt nach Jerusalem, wurde aber krank und starb in Byzanz am 28. Oktober 1028. Spätere Habsburger waren immer sehr stolz auf diesen tatkräftigen Mann, den engen Vertrauten zweier Kaiser. Sie zählten in voll und ganz zu ihren Vorfahren, obwohl seine Stellung in der Familie wohl nur eine angeheiratete gewesen sein dürfte.
    
  Radbot starb 1036 und wurde neben seiner Gattin Ita vor dem Kreuzaltar der Klosterkirche Muri beigesetzt. Radbots Brüder verschieden ohne direkte Erben, so konnten seine Söhne an deren Stelle treten. Auch für die nächsten fünf Generationen war jeweils nur ein Erbe vorhanden, was eine Aufteilung des Familienbesitzes verhinderte und sich als gute Ausgangsbasis für die Zukunft erwies.
    
Die Habsburg leiht dem Geschlecht den Namen Es ist anzunehmen, dass sowohl Radbot wie auch seine unmittelbaren Nachkommen zumindest zeitweise auf der Habsburg wohnten und sich deshalb anfingen "von Havesborc", "von Habisburch" zu nennen. Das lag durchaus im Trend, auch andere Herren legten sich gerade zu dieser Zeit die Namen ihrer Höhenburgen zu. 
    
Graf von Habsburg Als erste "von Habsburg" sind Radbots Sohn Werner I. (gestorben 1096) und sein Enkel Otto II. (ermordet 1111) beurkundet. Otto II. wurde von Kaiser Heinrich V. (1106 - 1125, Kaiser ab 1111) offiziell mit der Landgrafschaft im Oberelsass belehnt. Er gilt deshalb als erster richtiger Graf von Habsburg. Dies umso mehr, als alle früheren Grafentitel der Familie nicht belegt und auch sonst eher fragwürdig sind.
    
  ... weiter mit Teil III: Aufstieg der Habsburger

    

    


 

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