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Die zerlegte Linde auf der Schützenmatt in Brugg.
Zerlegte Linde von Brugg Lage / Erreichbarkeit   
        
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Die "zerleite" Linde von Brugg

 
Schützenpavillon mit zerlegter Linde und Schützenhaus. Foto WS 2012. 
 
Einzigartig für die Schweiz hat auf der Schützenmatte in Brugg eine Mode aus dem Mittelalter überlebt: Der ehemalige Schützenpavillon, errichtet 1615 über einer "zerleiten" Linde. Er steht auf acht Spätrenaissance-Steinsäulen, zugänglich einzig über eine hölzerne Brücke als Verbindung zum Schützenhaus.

Solche zerlegten Bäume waren vor allem im Burgund, Süddeutschland und im Gebiet der heutigen Schweiz als Schattenspender bei Gelagen und Schmausereien sehr beliebt. Ihre Tradition geht bis in die Antike zurück. Überliefert ist ein solcher Baum in Voltera (Italien) während der römischen Kaiserzeit.

Eine besondere Vorliebe für zerlegte Bäume entwickelten im 15. und 16. Jahrhundert die städtischen Schützengesellschaften. Linden, Eichen und Platanen wurden bei den Schützenhäusern und Schützenwirtschaften gepflanzt und konnten in der Regel nur von dort aus betreten werden. Die Äste der jungen Bäume wurden speziell in Form gebracht und bis zur Tragfähigkeit oft ein hölzerner Pavillon darüber errichtet. Noch 1687 wurden in Zofingen beim alten Schützenhaus zwei mit Stiegen verbundene Linden für fünfzig Personen eingerichtet.

Conrad Gesner beschreibt zwei zerteilte und via Schützenhaus miteinander verbundene Linden an der Limmat in Zürich wie folgt: " ... dass an den etlichen Tischen, die auf jeder von ihnen aufgestellt sind, eine recht hohe Zahl von Gesellen plaziert werden können, wenn man hier zum Essen und Trinken zusammenkommt. Dabei sind sie unten, oben und ringsum von den Ästen und vom Laub der Linden umgeben. Bei allen Bäumen, die man derart gestalten will, hat man darauf zu sehen, dass sie im Stamm nicht höher als vier Ellen werden, dass das, was über diese Höhe hinausgeht (Äste und Zweige), waagrecht zu einem Boden auseinandergelegt wird."

Zerlegte Bäume im Sinne des Mittelalters, nun als "schamloses Kraut" bezeichnet, kamen in der sittenstrengeren beginnenden Neuzeit völlig aus der Mode und wurden nicht mehr angepflanzt.
Literatur zum Thema:

Hans-Rudolf Heyer "Historische Gärten der Schweiz"
1980, Benteli Verlag, Bern

ISBN 3-7165-0341-X
 
 

 
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